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Theater Hameln

2011

20 Jun

Frühlings Erwachen

Am 10. Juni 2011 hatte die Inszenierung von Theaterpädagoge Mark Kewitsch Premiere im Hamelner Theater. Anbei der Bericht aus der DEWEZET von Julia Marre.

DeWeZet vom 14. Juni 2011

 „Sahnetörtchen und Flensburger „Plop“

Premiere von „Frühlingserwachen“

 Von Julia Marre

Hameln. Zunächst passiert nicht viel. Außer dass Lilly Allen aus den Lautsprechern den Partysong „Fridaay Night“ singt. Mit dem treffenden Satz: „Another drink and I’m ready for action“. Dann geht es los. Mit den Drinks. Und mit der Action.

„Frühlingserwachen“ hat Mark Kewitsch mit seinem Jungen Ensemble inszeniert: Wedekinds mehr als 100 Jahre altes Drama in der Neufassung von Nuran David Calis. Dazu wird am Freitagabend auf der Bühne des ausverkauften TAB aber nicht ausgelassen gefeiert oder sich ins Koma gesoffen – sondern es schwappt Alkohol auf die Langeweile der jugendlichen Hauptfiguren. Was tun nach der Schule? Wovon lohnt es sich zu träumen? Warum nicht lieber gleich resignieren? Und wann, bitte, ist endlich wieder Wochenende?

Moritz (überzeugend gespielt von Marcus Creutzburg) ist einer, der resigniert hat. In der Welt sieht er keinen Platz mehr für sich – zwischen enttäuschter Liebe, dem Steckenbleiben in der achten Klasse, den Ansprüchen seines strengen Vaters (sehr gut: Andreas Widenka) und den Wünschen seiner orientierungslosen Freunde. Er träumt von einer Reise nach Amerika, um nach einem unauffälligen Selbstmord im Jenseits anzukommen. Die Clique der Jugendlichen, in der ohnehin jeder an seinen eigenen Problemen zu knabbern hat, bricht mehr und mehr auseinander. Melchior, verkörpert von dem erst im April eingesprungenen Alexander Schellworth, schwängert Wendla (Jessica Haase). Martha (Anna-Charlotte Schmidt) trauert um ihren Schwarm, auch Ilse (wunderbar lasziv gespielt von Sandra Becker) ist damit überfordert. Und Ernst (Frederik Kunkel) ist fassungslos, wie sich alle unter diesen Umständen weiter vergnügen können.

Das Stück erzählt zwischen Kindergeburtstag und Wodka, zwischen Sahnetörtchen und Abtreibungsangst aus dem Universum Jugendlicher. Regisseur Mark Kewitsch baut ein festes Regiegerüst um das Laienspiel, sodass eine unterhaltsame und kurzweilige Aufführung daraus wird. Technisch einwandfrei gespickt mit Projektionen (Steffen Blandzinski), die humorvoll-verspielt sind und doch die Tragik untermalen. Musikalisch gewürzt mit dem Selbstmord-Klassiker „Glomy Sunday“ und zeitgemäßen Tanzflächen Beats. 80 Minuten sehr gelungenes und erfrischendes Schauspiel, für das es Rosen und langen Premierenapplaus gibt.

 

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