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Theater Hameln

2011

14 Sep

Godot war da!

„Warten auf Godot“ – ein Theatererlebnis vom Feinsten

Zwei Stunden ohne Pause – so lautete die Ansage für „Warten auf Godot“, das die Bremer Shakespeare Company am Montag im Theater Hameln zeigte. Oh je – das kann selbst für theaterbegeisterte Menschen sehr anstrengend werden!

Aber dann – folgte ein grandioser Schauspielabend, der die Zeit vergessen ließ. Es war faszinierend zu erleben wie die vier Schauspieler aus Bremen diesen modernen Klassiker mit größter Leichtigkeit, perfekter Genauigkeit und Spielfreude auf die Bühne brachten. Alles andere als existentialistische Schwermut und doch hat das Stück gegen Ende so viel Tiefgang, dass manch eine Bekettsche Bemerkung die Zuschauer direkt ins Mark traf.

Warten wir in unserem Leben nicht alle auf irgendeine Chance, auf ein Versprechen des Lebens, auf bessere Umstände – auf Godot. Und verpassen wir mit diesem Warten unser wirkliches Leben? Und was ist unser Leben überhaupt in dieser kurzen Spanne zwischen Geburt und Tod? Die Frage nach der eigenen Vergänglichkeit wird in diesem Stück, das Beckett unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg schrieb, unvermittelt und durch diese großartigen Schauspieler so charmant gestellt, dass dieser Abend bei unseren Besucher sicher noch lange nachgewirkt hat. Das zeigte auch die direkte Reaktion nach der Vorstellung – zunächst einfach nur Stille – und dann langanhaltender Applaus und Bravorufe.

Meiner Meinung nach hätten wir das diesjährige Schauspielprogramm nicht besser eröffnen können als mit diesem großartigen Theaterabend und einem erstklassigen Ensemble. Mich hat eine Aufführung lange nicht so gefesselt wie diese!

Übrigens die Bremer Shakespeare Company wird im Theater Hameln wieder zu Gast sein am 12. Mai mit Shakespeares „Sommernachtstraum“, der dann bei uns sogar Premiere haben wird.

Dorothee Starke (Direktorin)

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