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Theater Hameln

2011

17 May

Aus dem Leben einer FSJlerin

In diesem Jahr macht Jana Böttjer (fast 20) ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Kultur im Hamelner Theater. Das FSJ beinhaltet auch regelmäßige Seminartage, die vom Träger organisiert werden. Lesen Sie hier einen ausführlichen Bericht von Jana Böttjer.

Normalerweise laufen meine FSJ- Seminare so ab:

Eine Gruppe von ca. 30 Leuten fährt mitten in den Wald ins Umweltzentrum nach Eldagsen, beschwert sich über das rein vegetarische Essen und die fehlende Zivilisation, wählt zwischen zwei Workshops, präsentiert diese am Ende im kleinen Kreis und reist dann nach einer gewissen Zeit wieder nach Hause.

 Dieses Mal war da was anders:

Eine Gruppe von 160 Leuten fährt mitten auf ein Schloss nach Wolfenbüttel, beschwert sich über das (nur wenn gewünscht vegetarische) Essen ( sage und schreibe 60 Vegetarier sind mit an Bord), welches in Plastikschalen serviert wird, weil man damit die Umwelt verschmutzt und die Bevölkerung im ansiedelnden Park, wählt zwischen 14 Workshops, präsentiert diese am Ende vor Publikum, Presse und Einsatzstellen und reist nach einer gewissen Zeit, vollkommen geplättet von den vielen Eindrücken nach Hause.

Quizfrage: Was ist passiert?

Alle FSJ-Kultur (und FSJ Politik)- Gruppen Niedersachsens trafen sich zum Gesamtseminar. Utopisch sollte es zugehen. Man könnte quasi die Welt verbessern. Denn alles stand unter dem großen Thema „Utopie“. Ehrlich gesagt, muss ich zugeben, dass ich mir nach dieser Woche ein bisschen wie ein schlechter Mensch vorkomme, weil ich a) Fleisch esse, b) Plastiksachen benutze und c) nicht Bio einkaufe. Laut ökologischem Fußabdruck (http://www.mein-fussabdruck.at/ ) bräuchte man 2,5 Welten mehr, damit jeder Mensch so leben könnte wie ich es tue (das ich damit im Durchschnitt liege beruhigt mich dann doch ein bisschen). Morgens wurde uns der Klimaheld des Tages präsentiert und auch der Klimatipp kam nie zu kurz (ich achte nun tatsächlich darauf, den Fön nicht eingesteckt zu lassen). Ein Jahr lang ohne Konsum zu leben (man stelle sich vor, da macht einer alles selbst, von Zahnpasta bis Toilettenpapier) wäre dann jedoch doch nichts für mich. Interessante Menschen wurden vorgestellt. Neue Sichtweisen ermöglicht. Die „Yes- Men“ beeindruckten mich sehr (die Dokumentation ist nur zu empfehlen). Ich hoffe, ich mache Ihnen jetzt kein schlechtes Gewissen. Um dieses wieder aufzuheben folgende Tipps: Auch mehr Umarmungen (Free Hugs) und mehr Miteinander führen zu Utopien. Dieser Aspekt beruhigte mein Gewissen dann sehr.

Wie wird sie sein die Welt von übermorgen? Wie wird die Jugend sein, wie die Politik, wie die Arbeit, wie die Bildung… auch wir waren uns hier rüber nicht einig. Es muss eine vierte Gewalt geben, multikultureller Religionsunterricht wurde gefordert, jeder solle eine Baumpatenschaft übernehmen und die Jugend kann letztendlich im Prinzip so bleiben- sieht man ja an uns. Sie sehen, viele Diskussionen, viele Themen- fast schon utopisch ein Ergebnis zu verlangen. Doch diese lieferten sie, die einzelnen Workshops:

Ich stellte mit dem Theaterworkshop eine Collage auf die Beine. Über den Wunsch, wieder „Mehr-Kind-Zu-Sein“ bis hin zu „Give peace a chance“ ließen wir keinen utopischen Gedanken in unseren Übungen aus. Liebe, Freiheit, Gleichheit, Frieden, Freundschaft. Wie sollte man das alles in einen 10- Minuten-Vortrag packen? Eine Achterbahnfahrt der Gefühle erwartete uns, die auf ihrem Höhepunkt endete. Es blieb der Satz: Schade, eigentlich könnten wir doch jetzt erst so richtig anfangen. Lust auf mehr war es, die man verspürte.

Auch die anderen Workshops ließen sich nicht linken. So zeigte der Gesangsworkshop eine Performance, die so wohl niemand erwartet hätte und beim Live-Hörspiel kam man aus dem Lachen gar nicht mehr heraus. Denn so ist sie, die Utopie. Unerwartet, schön, lachend. Fast schon seelisch zerrüttete mich die Tanzeinlage, des Tanzworkshops. Wahnsinn, was diese Gruppe in den kurzen Tagen auf die Beine gestellt hatte. Kurios waren die Philosophen, die uns zum selber denken anregen wollten. Seien es nun die Schreiberlinge, die Filmer, Fotographen oder Künstler- jede Gruppe zeigte ihre eigene, ganz persönliche utopische Welt.

Denn fast hatte man die Woche über das Gefühl, in eben solch einer zu sein.

„Das Seminar jetzt zu verlassen ist wie aus einer Seifenblase zu steigen, die einen schützt“. Raus aus der Seifenblase, sage ich der Realität wieder hallo und bin froh, dass sie mich nicht mit dem mahnenden Finger begrüßt.

Es bleiben: Der Gedanke, ich könnte die Welt verändern, ein Hauch von Utopie, viele tolle, neue Leute und das große Gefühl etwas ganz Besonderes erlebt zu haben.

 Ich schließe mit der Quizfrage: Könnten auch sie die Welt verändern?

2011

13 May

Neue Spielzeit

Das Leben in den zwei Parallelwelten hat ein Ende…fast jedenfalls.

Während die Spielzeit 2010/2011 noch in vollen Zügen läuft, haben wir nebenbei bereits die nächste Spielzeit 2011/2012 geplant und rund 150 Veranstaltungen in ein handliches A5 Spielzeitheft gebracht. Somit waren wir einerseits immer im Jetzt und Hier und den laufenden Vorstellungen, aber andererseits auch in naher und etwas fernerer Zukunft – nämlich in der kommenden Spielzeit 11/12. Also in der Tat zwei parallele Welten und ein Sprung zwischen den Zeiten. Das Spielzeitheft ist nun im Druck und erscheint Ende Mai.

Am 23. Mai 2011 findet unsere Spielplanrevue statt, zu der wir unsere Abonnenten eingeladen haben. Gemeinsam mit vielen Künstlern, Theaterleuten und Kollegen geben wir einen unterhaltsamen Ausblick auf die neue Spielzeit. Der Kartenvorverkauf für die Abonnenten beginnt am 24. Mai (wobei die ganz eifrigen auch schon am 23. Mai Nägel mit Köpfen machen können). Der freie Verkauf für alle Theaterbesucher beginnt am 1. Juli 2011. Ab diesem Termin können Karten für die gesamte Spielzeit gekauft werden. Es gibt natürlich wieder ein spannendes Programm, einen tollen Silvesterabend, die 3. Tanztheatertage, zwei neue Pakete und einfach ganz hervorragende Unterhaltung! Und das Theaterkarten ein tolles Geschenk sind, ist ja auch kein Geheimnis mehr! Ab dem 24. Mai kann man sich das Spielzeitheft übrigens auch von der Homepage downloaden.

Man kann sagen, langweilig wird es hier bei uns im Theater eigentlich nie! Und das ist auch gut so!

2011

02 May

Generationen Ping Pong

In der zweiten Oster-Ferienwochen haben sich 10 mutige Spieler zwischen 11 und 71 Jahren bei uns im Theater eingefunden, um sich auf ein interessantes Theater-Experiment einzulassen. 5 Spieler waren älter als 48 Jahre und 5 weitere Spieler waren unter 21 Jahren und wurden nun beim Workshop "Generationen Ping Pong" auf einander losgelassen. Was würde passieren? Was wissen die Generationen von einander? Würden sie sich verstehen?

Und wie sie sich verstanden! Bereits nach dem ersten Tag waren alle wie ein Ensemble, als würden sie sich bereits Jahre kennen und schon ewig zusammen spielen. Aber es waren nur 4 gemeinsame Tage, an deren Ende wir eine gemeinsame Aufführung geplant hatten. Wenig Zeit, aber die wurde intensiv genutzt.

Die Grundidee der Inszenierung war, dass die Spieler die Rollen tauschen, die Jungen die Alten spielen und umgekehrt. In Interviews sollten sie sich kennenlernen, interessante Geschichten in den Biografien aufspüren und dann eine Rolle daraus entwickeln. Und so saßen die 11jährige Annika und die 71jährige Erika zusammen in einem intensiven Gespräch und tauschten sich über ihr Leben aus (am Ende tauschten sie sogar ihre Telefonnummern!). Und wer gedacht hätte, die Jungen hätten nichts zu erzählen, der hätte Erika in der Rolle der Annika erleben sollen. Es wurden 10 Biografien gespielt, mal waren sie lustig, mal spannend oder sehr anrührend, so wenn die 21jährige Shari aus dem Iran von ihrem Gefängnisaufenthalt und der Flucht erzählte, oder die junggebliebende Irmela von ihrem Mann, der großen Liebe berichtete und wir erfuhren, dass er erst kürzlich verstarb.

Selten habe ich so intensive Proben erlebt wie hier. Und als ich auch noch von jedem ein Geheimnis erfahren wollte, kamen die erstaunlichsten Dinge ans Tageslicht. Natürlich verrate ich sie nicht weiter, dazu hätte man die Aufführung erleben müssen.

Und natürlich durften auch die Vorurteile nicht fehlen - können Ältere mit Technik umgehen? wie verhält es sich mit der Umgangssprache bei Jugendlichen? Und dann erfährt man, dass beide Generationen die Vorurteile annehmen und zum Teil sogar bestätigen. Es kann alles so erhellend und einfach sein, wenn man darüber spricht und zusammen spielt.

Und für mich hat es unendlich viel Spaß gemacht, als Mittler zwischen den Welten zu surfen, liege ich doch altersmäßig ziemlich in der Mitte. Lernen konnte ich von beiden Seiten.

Vielleicht entsteht ja irgendwann eine Theatergruppe "Jung+Alt", denn leider konnten nicht alle interessierte Menschen an diesem Workshop teilnehmen. Ich würde mich auf viele weitere spannende Episoden aus den Leben der Menschen freuen, die viel interessanter sein können als so mancher Theatertext. Theater ganz nah am Leben, wer wünscht sich das nicht!?

Mark Kewitsch (Theaterpädagoge)

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